Wertschätzung  entgegenbringen:

Wertschätzung entgegenbringen:

Der mächtige Wunsch nach Anerkennung und Respekt

Wir Menschen sind ganz hungrig nach Beachtung, Verständnis, Wertschätzung, Rücksichtnahme und Liebe. Kaufen kann man sich diese großartigen Dinge nicht und es gibt sie auch nicht auf Rezept. Mitmenschlichkeit auf solch einer Basis geschieht nur, wenn wir uns füreinander öffnen, unsere inneren Grenzen und Vorurteile abbauen, auf Rechthaberei und Einmischen verzichten und völlig unbefangen aufeinander zugehen.Wir sehen uns als gleichwertig an, anstatt uns für etwas Besseres zu halten. Kurz gesagt: Respekt! 


Insgeheim wünschen sich alle Menschen, respektiert zu werden, ganz gleich, aus welcher Kultur sie stammen. Respekt gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber anderen Personen ist im Kern ein wichtiger Gesichtspunkt von politischen, sozialen, moralischen, philosophischen sowie psychologischen Fragestellungen und Theorien. So wird das Konzept Respekt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Auf der einen Seite wünscht sich der Mensch Respekt und auf der anderen Seite ist er oft nicht dazu in der Lage dazu, sich selbst und auch anderen, mit Respekt zu begegnen. Warum ist das so?

 
Nun, diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Es sind nicht nur die Gene dafür verantwortlich. Das steht jedenfalls fest. Die Ausrede verliert somit an Power. Was bedeutet es überhaupt, sich selbst und andere zu respektieren und wertzuschätzen? Wertschätzung meint eine positive Bewertung der eigenen Person sowie eines anderen Menschen, und zwar weitestgehend unabhängig vom Verhalten. Wertschätzung eines Menschen bedeutet, seinen inneren Wert anzuerkennen und zu respektieren. Jeder Mensch ist in seinem individuellen Menschsein wertvoll und aufgrund dessen hat dieser ein Recht auf Respekt und Wertschätzung. Doch dies setzt auch immer eine gewisse Bedingungslosigkeit voraus. Und wir wissen es alle, dass gerade das nicht so einfach ist. 

Sich selbst und andere wertschätzen

Für viele Personen ist es jedoch sehr anstrengend, sich selbst und andere Menschen wertzuschätzen oder im Allgemeinen ihre Wertschätzung zu zeigen. Wie ein harter Widerstand fühlt es sich an und ist oft darin begründet, dass die meisten von uns nicht lernten, wie das Wertschätzen überhaupt funktioniert.

Die Voraussetzung für das Verschenken der Wertschätzung ist ein stabiler Selbstwert. Ein Wert, den sich ein Mensch selbst gibt. Dieser subjektive Wert steuert das Verhalten und die Einstellungen eines Individuums. Doch nicht nur das. Dieser Wert beeinflusst auch, ob ein anderer Mensch so akzeptiert wird, wie er ist, samt seinen lieben Marotten.
Wertschätzung ist erlern- und verbesserbar. Wir haben als Kinder beobachtet, wie unsere Umwelt miteinander umgeht. Besonders unsere Eltern und andere Familienangehörige haben es uns hautnah vorgelebt. Deshalb basiert unsere bisherige Art und Weise, Wertschätzung zu zeigen, schließlich auf unseren frühkindlichen Erfahrungen. Dabei muss es glücklicherweise nicht bleiben. Oder arbeitest du noch mit dem Betriebssystem Windows 98? 


Wir leben heute in einer Zeit, in der wir uns täglich updaten müssen, um dieser Welt gerecht zu werden. Dazu gehört ganz groß der Umgang miteinander und mit sich selbst. Noch nie zuvor war es so einfach, an Informationen über das Selbst, über die Kindheit und die Zusammenhänge elterlicher Erziehung zu kommen. Und es war noch nie so einfach, wie heute, ganz offen zu seinen Gefühlen zu stehen und sie zu äußern. Doch viele machen es trotzdem nicht, obwohl die heutigen Möglichkeiten ganz groß sind. Was ist denn da los?


Die Antwort könnte sein: Wir sind es schlicht und einfach nicht gewohnt.

Das wiederum ist eine schlechte Angewohnheit. Vergleichbar mit dem Bedürfnis, Sport zu treiben, aber dann doch auf der Couch in einer gemütlichen Position zu verbleiben. Du kennst sicherlich das Gefühl, wenn du jemandem ein ernst gemeintes Kompliment schenken möchtest und schon gedanklich ins Stammeln gerätst. So passiert es oft, dass sich offenes Lob oder der Ausdruck von Wertschätzung für andere Menschen nicht ehrlich und folglich unbehaglich anfühlt. 

Die Sprache der positiven Emotionen ist uns noch ein wenig fremd. Deshalb sprechen wir sie noch nicht fließend genug. Wir stammeln und hören uns in komplizierten Sätzen reden und vergessen sogar oft Vokabeln, die ein aufrichtiges Kompliment oder Lob bekräftigen. Eine positive Emotion zu äußern fällt uns deshalb noch so schwer, weil dieser Muskel im Gehirn für einige von uns recht untrainiert ist. 
So fühlt es sich leicht seltsam an, wenn wir ihn benutzen, um anderen positive Emotionen mitzuteilen. Doch dies fällt trotzdem einigen von uns leichter, als uns selbst gegenüber positiv gestimmt zu sein. Lieber andere als uns selbst loben, weil Eigenlob und Eigenwertschätzung stinken.

Nur wenige ermutigen uns, diesen doch so wichtigen Muskel aufzubauen und aufrichtige Wertschätzung zu zeigen. Aber hingegen Kritik und negative Bemerkungen uns selbst und anderen Menschen gegenüber fallen uns umso leichter. Das ist wirklich ein großer Mist mit Käse! Meinst du nicht auch? Dabei können wir so wahnsinnig viel von positiven Emotionen lernen. Und genau das machen wir jetzt einfach mal!

Wie kannst du eine wertschätzende Haltung einnehmen?

Im Buch „Die Macht der Gefühle“, von Barbara Fredrickson, sind einige positive Emotionen dargestellt. Wir schauen uns heute gemeinsam fünf dieser Gefühle an, die eine wertschätzende Haltung auf die Beine bringen. Los geht`s: 

1.Inspiration:

Gibt es eine besondere Person in deinem Umfeld, die dich durch ihre Aktionen oder Verhaltensweisen inspiriert? Teile es ihr beispielsweise so mit: „Ich bewundere dich dafür, dass du XY tust. Du wirkst immer so souverän dabei“.

2.Interesse:

Geh neugierig und offen durch die Welt. Übe es in kleinen Schritten und dir wird es von Mal zu Mal leichter fallen. Öffne dich anderen Menschen, begegne ihnen mit einer guten Portion Neugier und Interesse. Lass dich auf neue Menschen ein und lerne sie mit größter Freude sie kennen, ganz ohne Wertung und Urteil.

3.Stolz:

Beobachte, was andere Menschen stolz macht und befrage sie dazu. Such dir gute Vorbilder und hole dir Inspiration für dein eigenes Leben. Du kannst nur gewinnen! Ganz wichtig: Erkenne noch so kleine Erfolge bei dir und anderen an, denn das ist ein ganz wichtiger Punkt zur Förderung von Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit. Nicht nur dir bietet es einen Vorteil, Stolz zu sein, sondern auch anderen Personen, welche du lobst. 

4.Humor:

Übermäßig ernst und kritisch zu sein und sich ausschließlich auf die Probleme anderer zu fokussieren, ist schnell getan. Das sind wir ja schlechtermaßen gewohnt. Fehler sind blöd. Sie zeigen Schwächen auf. Im Leben kommt es manchmal vor, dass dir jemand blöd kommt und dich auf deine Fehler und somit Schwächen aufmerksam macht. Schwächen? Tja! Nimm es mit Humor und verwandle das Wort in etwas Witziges und Positives. „Ja, ich habe Schwächen. Besonders habe ich eine Schwäche für deplatzierte Äußerungen, wie die deine. Pro Äußerung erlaube ich mir, fünf Euro einzubehalten und deshalb bin ich heute Millionär“. 

5.Dankbarkeit:

Wofür bist du dankbar? Nimm dir für die Antwort genügend Zeit. Hier geht es darum, Menschen zu finden, die dir in deinem Leben etwas Gutes getan haben oder mit denen du dich einfach wohlfühlst. Es geht aber auch um Situationen, die dein Leben bereicherten. Natürlich kannst du auch dir selbst gegenüber Dankbarkeit zeigen, wenn du dir beispielsweise erlaubst, einen Tag auszuspannen oder dir ein neues Hobby zu gönnen. Drücke in allen Fällen ernst gemeinte Dankbarkeit aus und teile zugleich mit, warum es für dich ein wertvoller Moment war. 
Die Übung macht den Meister. Der Satz ist genauso ausgelutscht, wie er wichtig ist. Nimm ihn deshalb ernst und trau dich. Leg jetzt los und übe dich im Zeigen der Wertschätzung.