Die Liebe:       wie Beziehungen uns schwach machen können

Die Liebe: wie Beziehungen uns schwach machen können

Die Liebe kann wunderschön sein und doch hat sie auch ihre Schattenseiten. Manchmal kommt es im Leben vor, dass wir uns für einen falschen Partner entscheiden. Hier ist ganz wichtig zu sagen, dass nicht der Partner grundsätzlich schlecht ist, als das uns das eigene Innere antreibt, so manch ungünstige Entscheidungen für unser Leben zu treffen.
Es gibt einige Faktoren, die uns innerhalb einer Beziehung schwächen können. Doch wie ist das ganze Konstrukt überhaupt entstanden? Warum ist es so weit gekommen, dass wir am Ende kraftlos dasitzen und nicht mehr weiterwissen. 

Das Gefühl der Hilflosigkeit macht sich in solchen Momenten in uns breit und wir gewinnen den Eindruck, nichts an der Situation verändern zu können. 

Hohe Erwartungen

Der erste schwächende Faktor ist die hohe Erwartung. Wir Menschen haben ganz bestimmte Wünsche an die Liebe und somit auch an uns selbst und unseren Partner. Dabei spielen frühkindliche Bindungserfahrungen eine ganz große Rolle sowie natürlich auch die Medien, die uns ein perfektes Bild einer Beziehung vorgaukeln. 

Unsere Eltern haben uns in erster Linie den Umgang mit Liebe vorgelebt und uns in vielerlei Hinsicht geprägt. Überraschte dein Vater deine Mama beispielsweise nie mit einem Blumenstrauß oder waren Zärtlichkeiten wie kleine Berührungen eine Seltenheit, so hast du als Kind diese Verhaltensweisen und die präsentierten Emotionen wie ein Schwamm aufgesaugt und womöglich gelernt, dass man sich in Beziehungen nicht notwendigerweise bemühen muss, um „Liebe“ zu bekommen oder zu erleben.

Später übernahmen die Medien den weiteren Verlauf unserer Einstellung zur Liebe. In Hollywoodfilmen gibt es in vielen Fällen ein Happy End mit roten Herzen, Tränen und bunten Blumensträußen. In Filmen siehst du oft, wie ein Kampf um die Liebe stattfindet und der Konkurrent selten eine Chance bekommt. 
Die Botschaft lautet letztendlich, dass eine gute Beziehung aus endlos prickelnder Leidenschaft und Harmonie besteht. Hast du in deiner Familie das Gegenteil davon erlebt, stößt du nun auf Widersprüche. In solchen Situationen entwickeln manche Menschen hohe Erwartungen, weil sie einem Beziehungsideal hinterherjagen.

 
Dies ist also der erste Glaubenssatz, der eine Beziehung schwach macht.
Hohe Erwartungen sind demnach an bestimmte Ideale geknüpft, die eine Diskrepanz zwischen der Realität und der Wunschvorstellung aufzeigen und zu Konflikten in der Beziehung führen. Beide fühlen sich ungerecht von dem anderen behandelt und sind folglich unglücklich miteinander. 

Mangel an Zeit

Die Zeit ist wertvoll und kostbar. Das weiß jeder Mensch und doch ist das die einzige Ressource, mit der er verschwenderisch umgeht. Der zweite schwächende Faktor ist somit die Zeit, um die sich ein Mensch selbst bringt. Eine Beziehung lebt regelrecht von der Zeit, in der beide Partner unabhängig voneinander schöne Erlebnisse haben. Hier geht es verstärkt um die Selbstliebe oder auch Selbstpflege. Gönnt man sich nur selten oder gar nicht die Zeit für sich, so fördert es eine destruktive Abhängigkeit, in der beide Partner sich förmlich einsperren. 


Fokus auf Negatives

Unsere Gesellschaft hat sich im Laufe der Zeit angewöhnt, den Fokus auf das Negative zu wenden. Deshalb wundert es nicht, dass Ergebnisse vieler wissenschaftlicher Studien herausfanden, dass es unserem Gehirn viel leichter fällt, negative Dinge viel schneller zu sehen als Positive. Dabei ist es schlicht und einfach nur eine schlechte Gewohnheit, die veränderbar ist, sofern die Lust besteht, sie auch ändern zu wollen. 

Der Fokus auf das Negative führt dazu, dass der Partner in der Luft zerrissen wird. Jede kleinste Schwäche liegt plötzlich auf der Oberfläche frei und wird im schlimmsten Fall im Freundeskreis endlos ausdiskutiert. Wer seinen Partner, vor allem in der Öffentlichkeit, negativ darstellt, hat oft nicht so eine gute Meinung von sich selbst. Häufige Kritik führt lediglich dazu, dass der andere sich vermehrt wehrt und der Konflikt sich verstärkt, anstatt sich aufzulösen. In solchen Momenten ist keiner von beiden dazu in der Lage, zu reflektieren und über das eigene Verhalten konstruktiv nachzudenken. 
Auf der anderen Seite neigen manche Menschen auch dazu, sich selbst häufig zu kritisieren und den Fokus auf ihre Schwächen zu legen. Eine ganz wichtige Frage, die sich hier aufdrängt, ist, ob diese Taktik tatsächlich hilfreich ist und zur Lösung des Problems beiträgt. 

Unterschiedliche Grundwerte

Wenn unsere Grundwerte und Prinzipien nicht mit denen unseres Partners zusammenpassen, entstehen häufiger sinnlose Konflikte und die Beziehung bekommt dadurch eine negative Assoziation. 

Ist dir beispielsweise der Wert Zuverlässigkeit sehr wichtig, dein Partner hält sich jedoch nicht an seine Versprechen oder Absprachen, dann verletzt er damit deinen Grundwert. Ein anderes Beispiel. Dir ist der Wert Ehrlichkeit wichtig, doch dein Partner lügt dich häufig an und es entstehen wiederkehrende Konflikte in eurer Beziehung. Umgekehrt kannst auch du die Grundwerte deines Partners verletzen. Ist deinem Partner der Wert Loyalität wichtig und du wertest ihn in Gegenwart anderer verbal ab, so verletzt auch du in diesem Moment seinen Grundwert. 


Bei Prinzipien geht darum, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Verletzt dein Partner wiederkehrend deine Grundwerte, musst du sofort handeln. Tust du das nicht, signalisierst du ihm, dass du deinen Grundwerten selbst nicht treu bist. Gemeinsame Grundwerte schweißen die Partner zusammen. Wohingegen unterschiedliche Grundwerte zu häufigen Streitigkeiten und zu Unzufriedenheit in der Beziehung führen. Seinen eigenen Prinzipien nicht konsequent zu folgen, schwächt dauerhaft nicht nur die Beziehung zum Partner, sondern auch die zu sich selbst.