die Kunst der Entspannung

die Kunst der Entspannung

Entspannung ist in unserer immer schneller getakteten Leistungsgesellschaft zum kostbaren Gut geworden und die Kunst des Entspannens scheinen nur wenige zu besitzen. Dieser wohlige Zustand der inneren Ruhe findet zwischen ständiger Bilder- und Informationsflut, Stress im Job, Familie und Freizeitaktivitäten offenbar keinen Platz mehr. Doch Entspannung ist überlebenswichtig– auch für unsere körperliche und geistige Gesundheit. Wir haben mal genauer hingeschaut, warum es so schwer ist, Entspannung zu finden.


Stress hat viele Auslöser

Nur einige seltene Exemplare der Gattung Mensch scheinen heutzutage noch tiefenentspannt. Einer Umfrage nach fühlen sich 9 von 10 Menschen hierzulande gestresst. Ständiger Termindruck, Überstunden, stetige Erreichbarkeit, emotionale Belastung, schlechtes Arbeitsklima – die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. All dies zusammengenommen führt bei vielen Menschen zu anhaltender seelischer und körperlicher Erschöpfung. Ist dieser Punkt erst mal erreicht, rückt Entspannung in immer weitere Ferne und es droht der Super-Gau: Burn-out. Psychische Überbelastung ist inzwischen der zweithäufigste Grundfür Arbeitsunfähigkeit. Kein Wunder also, dass die Wartezimmer der Psychotherapeuten aus allen Nähten platzen.


Stress als Überlebensstrategie

Stress an sich ist nichts Negatives. Wenn wir tief in unsere Evolutionsgeschichte zurückblicken, standen sich Steinzeitmensch und Säbelzahntiger häufig unverhofft gegenüber. Da galt es schnell zu reagieren und schnell eine Entscheidung zu treffen: Flucht oder Kampf? Bei diesem Unterfangen war Stress schlichtweg eine wichtige Überlebensstrategie des Organismus. Das ausgeschüttete Stresshormon Adrenalin fährt alle Körperfunktionen hoch und sorgt für die sofortige Mobilisierung aller Energiereserven. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, der Blutzuckerspiegel erhöht sich, alle anderen Empfindungen und Bedürfnisse werden ausgeblendet. Ist die Gefahrensituation überstanden, fällt der Adrenalinspiegel wieder ab – Körper und Geist entspannen sich. Diesen Mechanismus tragen wir bis heute in uns – nur verursachen uns nicht mehr Säbelzahntiger, sondern Chefs, Prüfungssituationen und Leistungsdenken Stress. Das Problem: In unserem Alltag reiht sich oft eine Stresssituation an die andere – mit fatalen Folgen. Das Adrenalin baut sich kaum mehr ab. Der Körper befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft und kann nicht entspannen.


Stress macht krank

Wer auch nach der Arbeit nicht in der Lage ist abzuschalten, hat ein richtiges Problem. Denn Dauerstress macht krank – auch körperlich. Permanent erhöhter Blutdruck und Blutzuckerspiegel sowie beschleunigte Herztätigkeit fordern ihren Tribut. Nicht umsonst sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland Todesursache Nummer eins. Psychosozialer Stress spielt dabei eine bedeutende Rolle. Ein hoher Adrenalinspiegel schädigt auf die Dauer nicht nur unsere Organfunktionen – er wirkt sich auch negativ auf unsere Psyche aus. Wer ständig unter Strom steht, kommt innerlich nicht mehr zur Ruhe, ist nervös und leidet häufig unter Ängsten. Auch die Form, wie wir mit Stress und psychischen Belastungen umgehen, scheint sich auszuwirken. Stress macht besonders häufig ehrgeizige Menschen krank, die stetig nach Anerkennung suchen. Doch auch negativ eingestellte dünnhäutige Zeitgenossen, die in Stresssituationen schnell feindselig und aggressiv reagieren, sind weit mehr gefährdet. Ebenso schlecht kommen Personen weg, die stets versuchen, alles unter dem Deckel zu halten und sich ihren Unmut nicht anmerken zu lassen.


Höchste Zeit für Entspannung – Alarmsignale für Burn-out

Der Begriff Burn-out trifft den Nagel auf den Kopf: total ausgebrannt sein. Denn dann geht gar nichts mehr. Besser, es nicht so weit kommen lassen. Betroffene leiden unter körperlichen und seelischen Erschöpfungszuständen, sind lustlos und reizbar. Versagensängste und Ohnmachtsgefühle bestimmen den Alltag. Extrem Stressgeplagte ziehen sich emotional zurück und verlieren mehr und mehr das Interesse an Umfeld und Arbeit. Oftmals ist ihre Weltsicht von Zynismus geprägt. Ist der Burn-out erst mal da, wird es schwer, sich alleine aus diesem Teufelskreis zu befreien.


Digitale Welt erhöht das Stresslevel, macht Entspannung schwierig

Die Welt scheint sich mit jedem Tag schneller zu drehen. Neue Technologien, mit denen es am Arbeitsplatz Schritt zu halten gilt, schießen wie Pilze aus dem Boden. Unser Umfeld ist mehr als je zuvor von ständigen Veränderungen geprägt. Dies trägt zu einer tief greifenden Verunsicherung bei – denn nichts scheint mehr berechenbar. Die ständige Erreichbarkeit über Smartphone & Co und die Sucht nach Likes in den sozialen Medien tun ein Übriges. Wir sind getrieben davon, möglicherweise etwas zu verpassen und merken gar nicht, wie wir uns selbst zum Sklaven digitaler Medien machen. Viele haben dabei verlernt, auf ihre eigenen Signale zu hören – wir bleiben, auch wenn uns ein inneres Unbehagen beschleicht, weiter über den kleinen Heilsbringer gebeugt. Dabei wäre es ein erster Schritt zur Entspannung, die Bilder- und Informationsflut mal auszublenden und sich regelmäßig eine Auszeit von den Medien zu nehmen. Willkommen in der realen Welt!


Selber Grenzen setzen

Wie wir sehen, können wir selber viel zur Stressminderung beitragen. Denn es ist nicht nur die Außenwelt, die über den Stressfaktor bestimmt. Wir selbst sind Teil dieser Maschinerie, die uns krankmacht. Zugegeben – es ist nicht immer leicht, aus scheinbar vorgegebenen Verhaltensmustern auszubrechen. Denn das kostet nicht nur Selbstüberwindung – es bedeutet auch, auf Widerstände zu stoßen. Doch wenn wir zufriedener und entspannter leben wollen, ist es höchste Zeit, achtsamer mit uns umzugehen und Strategien zur Stressbewältigung zu entwickeln.


Den Jasager in uns bekämpfen

Wer dazu neigt, ja zu sagen, wenn er eigentlich nein meint, steht in einem ständigen inneren Konflikt. Das bereitet Stress. Dahinter steht oft die Angst, nicht den Anforderungen zu entsprechen oder die Erwartungen anderer zu enttäuschen. Doch wer stets allem zustimmt – seien es Zugeständnisse beruflicher oder privater Natur – wird häufig ausgenutzt und mit seiner Meinung nicht ernst genommen. Der Frust über diese nachträgliche Erkenntnis erhöht noch das Stresslevel. Da wird es umso schwerer, Entspannung zu finden.


Wenn tägliche Routine der Entspannung im Wege steht

Der Alltagstrott ist der Tod jeder Kreativität – und der Entspannung. Denn auch wenn der stets gleiche Tagesablauf abstumpft und lähmt, verursacht er letztendlich Stress. Ein Widerspruch? Keineswegs – denn oft können wir am besten entspannen, wenn wir diese tägliche Routine durchbrechen. Mal vom ausgetretenen Trampelpfad abzuweichen heißt auch, sich aufmerksam und mit wachem Geist auf etwas Ungewohntes einzulassen. Und genau das ist der Knackpunkt. Denn hier öffnet sich eine kleine Tür, die uns aus dem Gedankenkarussell entlässt, das uns im Alltag gefangenhält. Daher ist es essenziell, sich regelmäßig kleine Fluchten zu schaffen, die unser Inneres erhellen und zur Entspannung beitragen. Dazu reichen schon kleine Momente, die Kopf und Seele freimachen für andere Gedanken. Das kann genauso gut ein Spaziergang in der Natur wie eine Yogaübung sein, die die Achtsamkeit für uns selbst erhöht. Nach solchen Momenten der Entspannung geht alles gleich leichter von der Hand. Doch nicht nur das: Sich bewusst Zeit für sich zu nehmen, macht uns resistenter gegen Stress und lässt uns gelassener an die Dinge herangehen.

Dauerstress mit Adrenalinkicks bekämpfen – eine gute Idee?

Bei nicht wenigen Zeitgenossen wird die rare Freizeit selbst zum Stressfaktor. Leistungsorientierten Menschen fällt es oft schwer, den Leistungsgedanken in der Freizeit abzuschütteln. Da geht es direkt nach dem Job in die Laufschuhe, um den gestern aufgestellten Streckenrekord erneut zu unterbieten. Sport entspannt – keine Frage. Doch wer auch in seiner Freizeit ständig über seine Grenzen geht, versucht den Teufel mit dem Leibhaftigen auszutreiben. Sich mit Extremsport zu betäuben, hat wenig mit Entspannung zu tun. Es perpetuiert nur das, was wir eigentlich bekämpfen möchten.

Erster Schritt zur Entspannung: Achtsamkeit erlernen

Geben wir äußeren Faktoren zu viel Raum, entfremden wir uns von uns selbst und von unseren eigenen Bedürfnissen. Deshalb gilt es zunächst, Signale von Körper, Geist und Seele ernst zu nehmen, zu verstehen und danach zu handeln. Denn ohne den eigenen Bedürfnissen Aufmerksamkeit zu schenken, wird sich keine Entspannung einstellen.