Dankbarkeit  entsteht im Kleinen

Dankbarkeit entsteht im Kleinen

Wir können für sehr viele Dinge in unserem Leben dankbar sein und uns dabei sehr gut fühlen. Dankbarkeit setzt positive Emotionen voraus.

Es ist Teil eines Lebensstils, welcher in Richtung der Anerkennung und Wertschätzung des Positiven in der Welt mündet.
Wir können für unsere Fähigkeit, zu sehen, riechen und fühlen dankbar sein. Aber auch für unsere Entscheidungskraft in kniffligen Situationen. Dankbar können wir sein, wenn wir uns aus einer toxischen Beziehung herausbewegen. Doch Dankbarkeit können wir auch empfinden, wenn wir in die Augen unserer Kinder schauen. Einfach weil sie da sind, lachen und uns mit ihren Fragen über die Welt bombardieren. 

Wie sehen das die Psychologen? Was ist überhaupt Dankbarkeit und wie kann man das an Menschen messen, um ihren Grad der Dankbarkeit herauszufinden? Eins steht fest! Laut der Psychologie ist es eine Emotion, die man auf der Ebene der Persönlichkeit und der Ebene eines Zustandes unterscheiden kann. In der Untersuchung von Wood et al. Im Jahre 2010 finden die Forscher

acht Aspekte der Dankbarkeit heraus:  

  • 1. Generelle Häufigkeit, Intensität und Dauer von dankbarem Affekt 
  •  2. Dankbarkeit für die Existenz anderer Menschen 
  •  3. Fokus auf dem, was man hat 
  •  4. Ehrfurchtsgefühle 
  • 5. Dankbarkeit basierend auf der Endlichkeit des Lebens 
  •  6. Dankbarkeit für das Positive des jetzigen Augenblicks 
  • 7. Sichtbarer Ausdruck von Dankbarkeit
  •  8. Dankbarkeit fundierend auf positiven sozialen Vergleichen 

Eine Person ist infolgedessen als persönlichkeitsbedingt dankbar einzuordnen, wenn sie jene acht Facetten von Dankbarkeit oftmals, intensiv und über verschiedenartige Situationen und Umstände hinweg erlebt. Es geht in diesem Fall nicht bloß darum, Dankbarkeit anderen Menschen gegenüber zu zeigen, sondern ebenso sich selbst gegenüber und somit für das eigene Leben dankbar zu sein.

Dankbarkeit als Persönlichkeit beschreibt also den Aspekt, dankbare Gefühle zu empfinden. Einfach so, ganz spontan und ohne einen bestimmten Grund. 
Dankbarkeit als Zustand hingegen ist ein Affekt, der innerhalb einer Person auftritt, nachdem ihr geholfen wurde, und der zur Erwiderung der Hilfe motiviert (Wood et al. 2008, S. 281, frei übersetzt). Dankbarkeit als Zustand meint also das tatsächliche, situative Dankbarkeitsgefühl. Damit sind eine konkrete Situation und die erlebte Hilfe gemeint. 

Dankbarkeit und Wohlbefinden sind ein Team

Dankbarkeit bietet ein hohes Maß an Wohlbefinden und Zufriedenheit. Andere essenzielle Faktoren, die mit der Dankbarkeit zusammenhängen, sind bessere Beziehungen, eine bessere soziale Unterstützung als auch prosoziales Verhalten. Wer sie offen zeigt, bei dem finden sich positive Zusammenhänge zu folgenden Teilaspekten von Wohlbefinden.

Dankbare Personen

  •  erleben generell mehr positive Affekte 
  •  haben eine bessere Schlafqualität 
  •  verfügen über eine bessere psychische Gesundheit 
  •  berichten über ein gutes allgemeines Wohlbefinden 
  •  und empfinden mehr Lebenszufriedenheit 

Darüber hinaus erleben dankbare Personen

  •  weniger negative Affekte 
  • geringer anfällig für Angst
  • weniger Stress und Depressionen
  •  und weniger physische Krankheitssymptome 

Wie kommen die positiven Konsequenzen der Dankbarkeit im Umgang mit Stress, Depressionen und Angst zustande?

Die positiven Konsequenzen von Dankbarkeit auf Stress und Depressionen sind auf einen verfeinerten Stressbewältigungsstil zurückzuführen, den dankbare Menschen generell häufiger anwenden. Mit Blick auf eine depressive Symptomatik stellte sich die Stressbewältigungsstrategie des positiven Umwertens von Situationen. In der Psychologie bekannt als Reframing stellt dies eine essenzielle Bewältigungsmöglichkeit dankbarer Leute dar. 
Faktisch kann das bedeuten, dass dankbare Personen in einer Hilfesituation nicht ihren Selbstwert bedroht sehen, sondern die Situation umdeuten und sich für ihre persönliche Weiterentwicklung bestärkt sehen.

Die Ergebnisse aus zahlreichen Studien zeigen, dass die Förderung von Dankbarkeit auf verschiedenartigen Wegen positive Konsequenzen für das dankbare Individuum haben kann. Sowohl in der Arbeitswelt als auch im privaten Bereich sollte der Wert der Dankbarkeit von hoher Bedeutung sein.

Übungen für den Alltag

Dankbar sein für das, was man hat! Dieser bedeutsame Satz stellt zugleich eine effektive Übung für den Alltag dar: 

Hierbei denkst du an vergangene Vorkommnisse des Tages, der Woche oder des Jahres, für die du dich glücklich schätzen kannst. Diese Reflexion führt dazu, dass du dankbarer durch dein Leben schlenderst. Umsetzbar kannst du diese wundervolle Übung ganz leicht via Rituale. Du reflektierst entweder für dich allein vor dem Schlafengehen oder gemeinsam mit einem liebsten Menschen deiner Wahl. Genauso hilfreich sind Tagebücher oder die Teilnahme an Besinnungstagen.

 
Bono und McCullough (2006) beziehen sich auf eine sogenannte Naikan-Therapie, in der Personen auf ihre moralische Wahrnehmung ihre Aufmerksamkeit lenken und auf diese Weise in einen dankbaren Zustand versetzt werden. Bei alledem werden Methoden wie Meditation, progressive Muskelentspannung oder Imagination angewandt. Die Autoren empfehlen, die Förderung von Dankbarkeit in die kognitive Psychotherapie einzubinden. Die Förderung von Dankbarkeit eignet sich ebenfalls ganz gut in der Arbeitswelt. In Form von Fortbildungen zu Achtsamkeits- und Entspannungstechniken könnten die Arbeitsmenschen mit gutem Beispiel vorangehen. ES ist nichts Privates. Es betrifft alle Menschen dieser Erde, ganz gleich in welcher Situation sie sich befinden und welche Rolle sie gerade einnehmen.

Undankbarkeit und Materialismus als Schattenseite

Comte-Sponville (2010, S. 168) denkt folgendermaßen: “Undankbarkeit ist nicht die Unfähigkeit, etwas zu empfangen, sondern die Unfähigkeit, etwas von der empfangenen oder empfundenen Freude zurückzugeben, sei es als Freude oder als Liebe.”

Genauer betrachtet ist es die absichtliche Unwilligkeit, eine gute Tat anzuerkennen. Während Dankbarkeit die zwischenmenschliche Gegenseitigkeit fördert, zerstört Undankbarkeit soziale Beziehungen zwischen den Menschen. 
Aus dem klinischen Blickwinkel betrachtet, handelt es sich im Zuge der Undankbarkeit um einen Charakterdefekt. Undankbare Personen leiden meist unter Narzissmus, welcher anhand einer übertriebenen Selbstgefälligkeit und Selbstgenügsamkeit gekennzeichnet ist. Dankbarkeit stützt sich auf die Abhängigkeit von anderen Menschen. Narzisstische Personen sind häufig nicht in der Lage, ihre Dankbarkeit zu bekunden. Die Befunde aus der Studie von Farwell und Wohlwend-Lloyd (1998) untermauern eben dies. 
In einer Laborstudie, in der Versuchspersonen eine Aufgabe gemeinsam lösen mussten, kamen sie zu dem Resultat, dass sich Leute mit einem höher ausgeprägten Narzissmus weniger bei ihren Spielpartnern bedankten. Unabhängig von der Dankbarkeit gilt das auch für das Entschuldigen. 


Ein weiterer negativer Aspekt zu Dankbarkeit, der erst einmal nicht offenkundig scheint, ist Materialismus. Froh et al. (2011) behandelt die Dankbarkeit als Wert, und Materialismus als Gegenwert. In diesem Zusammenhang wird Materialismus als Lebensstil verstanden, der darauf basiert, Konsumgüter zu erhalten und anzusammeln, und zwar über die grundlegend nötigen Dinge hinaus. 
Teure Autos mit viel PS, die größte Villa, die hübscheste und schlankste Frau. Doch nicht nur. Auch Haushaltsgeräte finden sich in doppelter oder gar dreifacher Ausführung im verstaubten Küchenschrank wieder. Oder auch platzt der Kleiderschrank aus allen Nähten, weil das x-te Kleid vom gleichen Stil kaum noch reinpasst. 

Dankbar sein für das, was man hat und nicht für das, was man scheinbar unbedingt braucht.